Werkzeuge des Anstiftens

Werkzeuge des Anstiftens

Kollektive Ausstellung zur World Design Capital 2026

10.10.2023

Welches Werk hat das Zeug anzustiften?

Die Werkbundakademie Darmstadt zeigt im Rahmen des World Design Capital 2026 diese Ausstellung, die lokale Gestaltungsprozesse sichtbar und erlebbar macht. Im Mittelpunkt steht die Frage: Wie können kollektive Werkzeuge - wie das Amt der Stadtfotograf:in oder andere partizipative Formate - demokratische Teilhabe und kulturelle Vielfalt fördern?

Gestaltung ist Haltung. Gestaltung ist alltäglich. Gestaltung ist gemeinschaftlich. Mit der Ausstellung rückt die Werkbundakademie Darmstadt den sozialen Wert von Gestaltung ins Zentrum: Als Werkzeug für Teilhabe, als Spiegel gesellschaftlicher Realität und als Mittel kollektiver Verständigung.

Hier verlinken wir die Werkzeuge der Ausstellung WERKZEUGE DES ANSTIFTENS auf dem Friedensplatz vom 12.9. bis 8.10.2026

RegionalGestalt RheinMain von der werkbundakademie darmstadt
RegionalGestalt RheinMain     setzt auf den Sprung ins Ungewisse: Keine fertige Lösung, kein festgelegtes Ergebnis, sondern die Aufforderung, die Region neu zu denken. Auf Grundlage künstlerischer Forschung treffen zwei eigenständige Ideen aus unterschiedlichen Disziplinen und unterschiedlichen Orten der Region aufeinander ? und genau aus dieser Störung entsteht Bewegung, Offenheit und vielleicht eine neue Gestalt für RheinMain. Jula—Kim Sieber dwb entwickelte das Format eigens für den Prozess der World Design Capital Frankfurt RheinMain.
3    Semiotik Labor    ?Stefan Mayer—Twiehaus?    mayer-twiehaus.com/semiotik-labor
Was geschieht, wenn sich die Zeichnung zur installativen Raumsituation ausweitet und einen realen Raum hervorbringt. Wie kann dieser gestaltet und zur Verräumlichung von Handlungen aktiviert werden? Der Raum wird zum Werkzeug für die Gestaltung von Beziehungen zwischen bildender und darstellender Kunst, Musik, Architektur und Publikum. Im Semiotik Labor 1 »Inside Out«  treten diese Disziplinen in Realzeit miteinander in Kommunikation, die räumliche Trennung von Akteur*in und Betrachter*in wird verändert – das Publikum kann Teil des künstlerischen Prozesses werden.
3    Vortexgarten    ?Henry Nold?    mathildenhoehe.org
Vortex Garten ? Von der Mathildenhöhe Frieden stiften    verbindet geometrische Formen, Kornkreis—Piktogramme und die spiralförmige Bewegung des Wassers zu einem besonderen Ort der Wahrnehmung. Im kuppelförmigen Pavillon wird der Raum durch ein Bodenmosaik und die präzise rekonstruierten Piktogramme gestaltet, während die Flowforms das Wasser in der Form der 8 bewegen. Ein Ort, an dem Naturbeobachtung, Kunst und die Frage nach den Kräften von Formen und Bewegungen miteinander in Beziehung treten.
4    Das Schwarz—Weiß—Projekt    ?schlossgarten—café?    wba-darmstadt.de/schwarzweiss
Das Schwarz—Weiß—Projekt    beginnt 1980 mit drei jungen Lehrerinnen, die in Darmstadt einen mutigen Schritt wagen und das Schwarz—Weiß—Café eröffnen ? als Alternative zur Beamtenlaufbahn und als selbstfinanziertes Experiment. Über mehr als zwanzig Jahre wird das Café zum Ausstellungsort für junge Graphiker, Designerinnen, Fotografen, Malerinnen und Zeichner, viele von ihnen ganz am Beginn ihrer künstlerischen Laufbahn. Mit einfachen Mitteln entsteht so ein Ort, der Kunst in den Alltag bringt und jungen Positionen erstmals Öffentlichkeit gibt.
5    unSICHTBAR    ?Clara Brossmann + Katharina Müller?    unsichtbar.herebefore.de/performance
unSICHTBAR    zeigte zum 8. März FLINTA*—Personen als Schauspielfiguren in Bewegungschoreografien und Standbildern, Momente von patriarchaler Unterdrückung und feministischen Empowerment. Gemeinsam entwickelten die Teilnehmenden, zum Teil ohne Theater—Vorkenntnisse, in öffentlich ausgeschriebenen Workshops die Straßenperformance. Persönliche Erfahrungen wurden zu kollektivem Ausdruck. Inspiriert vom Forumtheater nach Boal entsteht ein Raum, in dem Erlebtes geteilt, bearbeitet und transformiert wird. Die Performance gibt dem, was oft im Verborgenen bleibt, eine Bühne ? und macht individuelle Erfahrungen als kollektive Präsenz im öffentlichen Raum sichtbar.
6+7    Offenes Social    Actor Ensemble        ?SocialArts?    socialarts.eu 
Offenes Social Actor Ensemble    bringt Menschen zusammen, die eigene Erfahrungen und Meinungen einbringen und gemeinsam Theaterstücke zu aktuellen gesellschaftlichen Themen entwickeln. Das Ensemble schafft Begegnung, regt zum Perspektivwechsel an und lädt dazu ein, gesellschaftliche Entwicklungen gemeinsam zu hinterfragen und mitzugestalten.
Das Werkzeug ist das Theater als Resonanzkörper: Körper, Stimmen, Blicke, Reibung und das Unausgesprochene bringen Gedanken in Bewegung. Aus Zuschauen wird Mitmachen, aus einer Idee eine gemeinsame Bewegung. Was dabei entsteht, gehört am Ende nicht mehr dem Ensemble ? die Idee wächst weiter in denen, die gegangen sind
7    Freiraum der künstlerischen Produktion    ?Karwath + Todisko  |     Büro Raum ? Studio für gesellschaftliche Raumfragen?    todisko.de/freiraum-der-kuenstlerischen-produktion
In Darmstadt fehlen bezahlbare und dauerhaft verfügbare Räume für Kunst und Kultur, während städtische Leerstände ungenutztes Potenzial bieten. Wir setzen uns dafür ein, diese Räume als Freiräume für künstlerische Produktion, Begegnung und gesellschaftlichen Austausch zu aktivieren.
Der Leerstand der Künstlerhäuser auf der Rosenhöhe in Darmstadt, bei gleichzeitiger Raumnot unter Kunst- und Kulturschaffenden, war der Ausgangspunkt für unser Engagement. Kunst benötigt Freiraum, um sich der kulturindustriellen Logik von Sichtbarkeit und Vermarktbarkeit zu entziehen und kritische, experimentelle Positionen zu entfalten. Wir wollen anstiften: Zum Umdenken, zum Öffnen von Räumen und dazu, vorhandenes Potenzial gemeinsam für eine lebendige und vielfältige Kulturlandschaft zu nutzen.
7    OHA    ?osthang bleibt?    osthang.de
Osthang bleibt    entstand aus der Not heraus, subkulturellen, niedrigschwelligen Freiraum zu erhalten. Zehn Jahre lang zeigte die Osthangkultur, wie schön Miteinandergestalten, Miteinandersein und eine lebendige Stadtgesellschaft sein können.
Danach folgten zwei Jahre des Protests: Demos, Petition, Hinschauen, Lautsein, Dranbleiben. Denn wo Menschen sich verbinden, kann eine Bewegung entstehen ? und sich etwas bewegen.
Das Werkzeug ist die Selbstermächtigung: Missstände, Fehlplanungen und verpasste Chancen sichtbar machen und gemeinsam für Vielfalt, Kultur, Partizipation, Nachhaltigkeit und Transparenz eintreten.
8    woodiversum    ?Jugendhof Bessunger Forst?    jugendhof.org/woodiversum
woodiversum    ist ein Lern- und Experimentierraum im Bessunger Forst. Hier können Kinder und Jugendliche Natur entdecken, kreativ werden, Dinge ausprobieren und eigene Ideen entwickeln. In Wald und Werkstatt gibt es Raum zum Mitmachen ? mit und ohne Behinderung. Niemand muss etwas perfekt können. Ausprobieren ist ausdrücklich erlaubt.
Das Werkzeug ist der Raum selbst: Er macht Mut, etwas Neues zu versuchen, eigene Ideen einzubringen und gemeinsam etwas zu gestalten. So wird aus dem eigenen Ausprobieren gemeinsames Handeln ? und aus Mitmachen wird Selbstvertrauen.
8    Kunstraum    ?zucker?    socialarts.eu/zucker
Kunstraum Zucker    ist aus der Idee der Selbstmach-Kultur entstanden: ein rund 30 qm großer Kultur-Raum, in dem jede und jeder sich kreativ ausprobieren kann – Ausstellungen, Spieleabende, Partys, Nähkurse, Lesungen oder eigene Veranstaltungen. Das Zucker-Team organisiert, renoviert, repariert, macht Werbung und hält Händchen – und schafft damit einen Möglichkeitsraum für Begegnung, Beteiligung und Experiment. Seit 2011 sind hier vermutlich rund 1.500 selbstgemachte Veranstaltungen entstanden; heute wird der Kultur-Raum von einer neuen Generation geführt.
9+10    Darmstädter Stadtfotograf*in    ?werkbundakdemie darmstadt?    wba-darmstadt.de/stadtfotograf
Darmstädter Stadtfotograf*in    gibt der Stadt einen künstlerischen Blick. Seit 2001 vergibt die Werkbundakademie Darmstadt den Kunstpreis und schafft damit einen besonderen Blick auf Darmstadt und seine Entwicklung. Stadtfotografie als künstlerischer Filter ermöglicht eine frische Sichtweise und gibt Impulse für gemeinsame Transformation.
Die Stadtfotograf*innen entdecken, hinterfragen und betrachten Darmstadt aus neuen Perspektiven. Ihre Fotografien machen sichtbar, was sonst leicht übersehen wird, und regen dazu an, länger hinzuschauen. In Ausstellungen und Büchern treten die Arbeiten in ein Zwiegespräch mit der Stadt und ihrer Gesellschaft ? und stiften Stadtgesellschaft und Politik dazu an, neue Perspektiven aufzunehmen.
Das Werkzeug ist der Perspektivwechsel: Mit der Kamera wird die Stadt neu betrachtet ? und durch diesen Blick kann sich auch unsere eigene Wahrnehmung verändern.
11    Leerstand als Kreativraum    ?Frau Dada + Frau Blank?    fraublank.de + dadazwischen.de + wba-darmstadt.de/kmd 
Kunstzentrale     im April und Mai 2025 im ehemaligen WMF-Laden: Ein Team von 10 Kreativen realisierte vier Kunst—Shows mit 19 Ausstellenden und bot insgesamt 32 kreative Events und Mitmach-Aktionen an. Rund 2.500 Menschen besuchten den konsumfreien Raum, kamen ins Gespräch und ließen sich inspirieren.
Show—Room     im Juni 2026 im ehemaligen McDonalds: Eine Raum-Installation von Frau Blank, mit Kunst zum Anschauen und drei interaktiven Stationen zum Selbst—Kreativ—Werden. So konnten die Gäste die Ausstellung mitgestalten ? mit Musik, Diashow und per Schreibmaschinen-Statement.
Kunst—Café von DADAzwischen    codierte den ehemaligen McDonald’s neu: Vom Ort des schnellen Durchlaufs zum Ort des Bleibens, vom Konsum zur Selbstwirksamkeit. Zwei Monate lang wurde Leerstand zum temporären Mitmach—Kreativraum mitten in der Innenstadt ? als kreativer Safespace zum Ausprobieren, Verbinden und Verweilen.
Kulturelle Mitte Darmstadt    startete 2004 von der Werkbundakademie einen Prozess, der die Innenstadt als kulturellen und urbanen Ort neu in den Blick nahm. Später setzte sie die 11. Darmstädter Stadtfotografin Anna Lehmann—Brauns auf das Thema an. Aus Beobachtung und künstlerischer Auseinandersetzung entstanden neue Perspektiven auf die Innenstadt. Mit Projekten wie Kunstzentrale, Showroom und Kunst—Café wurde Leerstand schließlich selbst zum Experimentierfeld. Resonanz kam auch aus der Stadt: Der Verfügungsfonds zur Belebung der Innenstadt förderte entsprechende Projekte ? »Da passiert was!«

 Das Amt für künstlerische Vermessung (AfkV) ?social.form? 
Das Amt für künstlerische Vermessung (AfkV)    ist ein Werkzeug, um Stadt nicht nur zu analysieren, sondern sie gemeinsam mit ihren Bewohner*innen neu zu befragen und in Bewegung zu bringen.
Durch kreative Methoden von wechselnden Künstler*innen, lokale Expertise von Kooperationspartner*innen und Kompetenzen aus der Raumgestaltung vom Architekturbüro social.form werden lokale Wissensformen, Identitäten und Wahrnehmungen sichtbar. Ob an einer stillgelegten Tankstelle, im Einkaufszentrum Kranichstein oder in Frankfurt—Höchst: Das AfkV schafft Räume für Begegnung, Austausch und neue Perspektiven.
Das Werkzeug liegt weniger in einer einzelnen Methode als in einer Haltung: »Wir wissen erstmal wenig und brauchen Andere.« Aus dem gemeinsamen Suchprozess entstehen neue Beziehungen, neue Bilder in den Köpfen und Impulse für langfristige Quartiers- und Stadtentwicklungsprozesse.