Das Schwarz-Weiß-Projekt

Das Schwarz-Weiß-Projekt

06.09.2026

1980 eröffneten drei junge Lehrerinnen in Darmstadt an einem Samstag im Oktober das Schlossgartencafé. Christiane, Annette und Connie sahen darin eine mutige Alternative zur Beamtenlaufbahn im Schuldienst.
Gestaltet von den befreundeten Architekten Michel und Elke Schauss erhielt es seine damals ungewöhnliche Design-Linie in Schwarz und Weiß. Die Brigitte berichtete darüber, der Stern, der SWR. Freunde steuerten privates Geld als Kredite zur Gründung bei. „Crowdfunding“ als Begriff gab es damals noch nicht. Unter dem Namen „Schwarz-Weiß-Café“ erwies sich das Experiment als erstaunlich langlebig. 45 Jahre später ist es immer noch eine Institution im Martinsviertel – heute unter der Leitung von Sabine, zuvor gemeinsam mit Kiki. Seine schwarz-weiße Design-Linie hat das Café im Grunde beibehalten – die Speisekarte im Wesentlichen auch.

Ein "Ort des Anstiftens"

Über zwanzig Jahre wurden junge Graphikerinnen, Designer, Fotografen, Malerinnen und Zeichner aus dem Freundeskreis der Inhaberinnen zu
Ausstellungen eingeladen. Deren Gestaltungslinie mit einer Serie von Plakaten besorgte Ingo, als Architekt auch verantwortlich für den großen Umbau – weiterhin in Schwarz und Weiß. Die meisten der Künstler standen damals ganz am Beginn ihrer Laufbahn. Einige von ihnen konnten in den folgenden Jahren erfolgreiche künstlerische Karrieren realisieren. Für manche war das SchwarzWeiß-Café der erste Ausstellungsort überhaupt. 50 erhaltene Plakate im vorgegebenen Layout und einheitlichen Format zeugen davon. Diese Plakate wollen wir zusammen mit der Werkbundakademie Darmstadt ausstellen.

Wechselnde Ausstellungen

Generationen von Darmstädterinnen und Darmstädtern erlebten das Schwarz-Weiß-Café als ihr Wohnzimmer. Zwischen 1980 und 2000 fanden regelmäßig Ausstellungen statt unter der Regie von Monika, der vierten im Bunde, initiiert von Ingo Schulze. Dafür gab es ein simples System zur Abhängung von Bildträgern, das den einfachen Austausch der Rahmen ermöglichte.
Im häufigen Renovierungstakt der vom Rauchen vergilbten weißen Wände konnten Künstlerinnen und Künstler über mehrere Wochen vor der Renovierung großformatig die rückwärtige Wand umgestalten, bevor sie wieder weiß überstrichen wurde. Bei jedem Ausstellungswechsel fand eine kleine Feier statt, beim Renovierungswechsel eine große. Der tägliche Wechsel Internationaler Presse war damals ein Alleinstellungsmerkmal für das Flair der Kaffeehaus-Atmosphäre im Schwarz-Weiß-Café.